Free Ai Weiwei

Was glaubt ihr eigentlich wer ihr seid, ihr gottverdammten Schweine!? Ihr sperrt Menschen ein, schlagt sie, tötet sie, bloss weil sie eine andere Meinung haben als ihr. Ihr nehmt euch Land und Menschen und fresst sie wie eine Handvoll Pistazien. Wem gehört China? Wem gehört Libyen? Syrien, Nordkorea? Wem Saudiarabien und all die verfluchten Länder wo ihr Mächtigen euch wie Krebsgeschwüre haltet und unter euren Mitmenschen Angst und Leid sät? Wer hat euch erlaubt so mit anderen umzugehen? Eine geniale Ideologie, Gott, oder eure unersättliche Gier nach Macht? Oder ist es unterdessen auch Angst, die euch wüten lässt und foltern, dieselbe Angst die ihr verbreitet und die plötzlich auf euch zurückfällt?

Habt ihr etwa Angst vor den Menschen, die ihr ängstigt?

Was haben euch Ai Weiwei oder Mohamed Bouazizi getan, dass sie in ihrem eigenen Land nicht nach ihren Vorstellungen leben durften?

Wie lange glaubt ihr, Menschen noch so behandeln zu können? Und könnt ihr eigentlich noch schlafen in euren seidenen aber blutroten Laken?

Wie lange werden eure Paläste und Armeen euch noch schützen vor euren eigenen Nachbarn?

Wie viele ihr auch noch einsperrt, foltert und tötet; am Ende des Tages werden eure Köpfe als Mahnung auf Pfählen stecken, gerichtet von eurer eigenen Angst, verjagt und vergessen von Menschen, die gemeinsam frei leben wollen. Man kann einige Menschen eine Zeitlang betrügen. Aber man kann nicht alle Menschen, ewig betrügen.

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8. Shanghai-Sheraton

Nicht bloss Marmor und Glas im Shanghai-Sheraton wie BAP in den 80ern bemängelte, sondern eine grüne Oase mit Blumengärten bis in die Hotel-Lobby hinein! Nach Wochen auf See hatte ich mir das redlich verdient: The Portmann Ritz-Carlton Suite mit Ausblick über Pudong mit der grössten Dichte an Wolkenkratzern weltweit! Die Traumherberge ist zwar nur für erfolgreiche Leerverkäufer geeignet oder Teilnehmer internationaler Kongresse.
In der Lobby prangte denn auch ein Banner: “3rd Congress on Nanobiotechnology & Nanomedicine“ und wie gar nicht anders zu erwarten stand darunter in seiner ganzen fleischlichen Ausdehnung inklusive Bud in der Hand, mein Freund vom Beginn meiner Reise: Prof. Svatopluk Vojtech Pospischil, Dozent für Nanotechnologie an der Uni von Albany. Unser Wiedersehen fiel osteuropäisch-herzlich aus, bis wir die Blicke der halben Lobbygäste auf uns zogen und Pospischil mich in die Bar zerrte, wo er sogleich vom Barkeeper wie ein alter Stammgast begrüsst wurde.
„Wie lange bist Du schon hier, Svat?“
„Gestern erst angekommen, und was machst Du in Shanghai?“
Ich erzählte ihm von meiner Reise und wie es mich hierher verschlagen hatte.
„Heute Abend gucken wir ein bisschen die Stadt an, Studi, ok?“
Noch ahnte ich nicht, was das für einen Tschechen im Ausland bedeutete… doch ich wusste, dass er morgen um 8 Uhr Hauptreferent am Kongress zu einem absurd unaussprechlichen Thema war.
Gestärkt nach einem Abendessen mit 11 verschiedenen Spezialitäten, von denen sich keine einzige noch bewegte, einem ungleich verteilten Hektoliter Bier und 6 Shanghai-Spezial-Schnäpsen, machten wir uns auf die Suche nach einer gediegenen Opium-Höhle. Svat war nämlich nicht bloss ein dumpfer Biertrinker, sondern auch erleseneren Zerstreuungen nicht abgeneigt.
Das dritte Garküchen-Mütterchen verstand unsere Frage nach Yapian und sie schrieb offenbar eine Adresse auf ein Stückchen Zeitung. Der Taxifahrer lieferte uns vor einer unscheinbaren Metalltür ab. Auf unser Klopfen öffnete ein mürrischer kurzer Chinese. Er studierte den Zeitungsschnipsel der Alten sorgfältig, schliesslich liess er uns ein. Ein altes ausgezehrtes Weiblein nahm uns unsere Jacken und 3000 Yuan ab, dann führte sie uns in einen bläulich beleuchteten, dunklen Raum mit 10 Kojen, einige davon waren mit anscheinend Schlafenden belegt. Ein jüngerer hagerer Mann wies mir eine Koje zu. Ich legte mich bequem hin und bekam bald meine erste Pfeife. Das Opium schmeckte bitter und bald begann ich zu halluzinieren, driftete in eine erotische Traumwelt. Die Szenen waren bevölkert mich zahlreichen Mädchen aus allen Kulturkreisen doch ihre Aktivitäten zu beschreiben würde mich in Konflikt mit verschiedenen Gesetzen zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung bringen. Ich rauchte schätzungsweise 4-5 Pfeifen bis mir eine Tasse Tee gereicht wurde. Im Morgengrauen traten Svat und ich seltsam lächelnd und ruhig verklärt in einen neuen kalten schanghaier Tag. Wir hatten das Paradies geschaut und beide sahen wir eine Weile den fremdartigen Wesen zu, welche auf dem Bund Tai-Chi übten. Als ob wir das Geheimnis hinter ihren langsamen Bewegungen durchschaut hätten.
Wir schlenderten zurück ins Ritz, ich platschte in mein Bett und schlief augenblicklich einen todesähnlichen Schlaf. Mein Freund Svat, der tschechische Wunderorganismus, hielt nach einem stärkenden Bier, einen aufsehenerregenden neunzigminütigen Vortrag und beantwortete darauf fast eine Stunde lang Fragen. Manche seiner Kollegen fanden hinterher, Professor Pospischil habe heute ausnehmend geduldig, auch elementarste Fragen beantwortet. Ganz entgegen seiner sonstigen Art.

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7. Hängt sie höher!

Mein letzter Tag auf See. Ich höre Radio und sehe fern. Mein Favorit ist eindeutig FOX News: Da wird noch der American way of life beschworen, jeder kanns schaffen, wenn bloss die Scheissliberalen nicht immer dazwischen pfuschen! Präsi Bush werde in die Geschichte eingehen, als der Mann der al Qaida „dismantle“, zerlegte! Hach ja, wo denn!? Zur Meldung des Sprechers, in Afghanistan seien ein paar Terrorverdächtige getötet worden, brüllt der Co-Kommentator ein kräftiges „YESS!“ dazwischen, als wärs ein Touchdown im Football. Und Bush ist ja wirklich nicht schuld, dass uns jetzt die Finanzscheisse durch den Ventilator fliegt! Ja wer macht den Schulden für Generationen! Ja wer ist den der oberste Gewinnmaximierer! Wer liegt den seit Jahrzehnten mit den Saudis im Bett, die wohl bigotteste Mischpoke auf Erden!
Freunde, sagen wir wie es ist: Zeit, wieder mal ein paar von den Klugschwätzern aus ihren Firmenjets zu zerren und sie aufzuknüpfen. Zeit, ein paar Villen abzufackeln, den Satten die Taschen mit Dollars zu füllen und sie in ihren Pools zu versenken! Mal wieder eine Revolution gegen die Kerle, die euch „ehrliche Arbeit“ anbieten, leider aber nur den halben Lohn zahlen. Man kann ja auch zwei Jobs haben, oder? Knallt sie ab, diese Steuerschlupflochsucher, diese Offshorepatrioten. Seid ihre Apokalyptischen Reiter, mit denen sie euch seit Jahren eure Rechte stehlen und euch verblöden mit dem vierhundertsten Fernsehkanal!
Ich stehe an der Reling und schaue über das endlose Meer und bin sicher: Die Welt wird auch diesmal nicht untergehen. Also, hängt sie höher!

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6. Auf grosser Fahrt

Nachdem ich der Port Authority im Hafen von San Pedro glaubhaft mündlich und schriftlich versichert hatte, dass ich kein Terrorist war, bin oder werden wolle, und auch nie Terroristen unterstützte, unterstütze oder unterstützen werde, traf ich schliesslich am West Basin Container Terminal, Liegeplatz 100 ein wo mich die Hanjin Boston erwarten sollte. Doch ich schien mich komplett  verlaufen zu haben, denn ich landete in einer Sackgasse vor einer schwarzen Wand. Mit erhobenen Armen kam Apostolos auf mich zu gelaufen und umarmte mich stürmisch. Er war nicht nur einer der trinkfestesten Menschen die ich kannte, sondern auch einer der warmherzigsten.

„Willkommen auf meinem Schiff!“
Die schwarze Wand entpuppte sich als Teil der 300 Meter langen „Hanjin Boston“ und mein Saufbruder Apostolos, das Schaf, als Erster Offizier des 82794 Bruttoregistertonnen grossen und momentan mit 7067 Containern beladenen Riesen.
Erst jetzt fiel mir seine picobello Uniform auf. Er stellte mir den Kapitän Hermann Schmidt und die 21 Mann Besatzung vor und zeigte mir die Kabine, die es mit jedem guten Mittelklasse-Hotel aufnehmen konnte.
Eine Stunde nach dem wir die Hafenzone verlassen hatten, brausten wir mit Vollgas Richtung Asien. Brausen ist nicht ein so falscher Ausdruck, stellt man sich vor, welchen Eindruck 300 mal 40 mal 30 Meter Stahl innerorts bei Tempo 50km/h machen würden!
Das Matrosenleben war bald eintönig: die stets gleichen Kontrollgänge, Sicherheitschecks, das brutale Leben der Maschinisten in ihrem Brutofen. In der Freizeit Hongkong-DVDs gucken, exzessives Mahjong spielen, schlafen. Den Offizieren und mir boten die Einladungen des Kapitäns zu Backgammon-Turnieren angenehme Abwechslung. Apostolos spielte wahrscheinlich bereits Backgammon bevor er laufen konnte. Und wenn die Würfel nicht sehr gegen ihn rollten gewann der Grieche meistens. Zwar durfte nur um Zigaretten gespielt werden, dafür schenkte Kapitän Schmidt manch Trouvaille norddeutscher Brennkunst aus.

Langsam versank die alte Welt hinter uns, in Schulden, markigen Sprüchen, aber immerhin noch mit der grössten Streitmacht aller Zeiten, die vielleicht mit einem „chirurgischen Eingriff“ an der Wall Street das Blatt noch zu wenden vermochte. Obama und McCain versprachen was die täglichen Umfragen ihnen nahelegte.
Wir jedenfalls hatten die Zukunft vor Augen. Erst Japan, das stets schwankte zwischen westlichem Kapitalismus und asiatischer Lebensart. Und schliesslich Boomtown: Shanghai, Eldorado aller zukünftigen „Masters of the universe“.

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5. Von Toten und Untoten

Ich halte mich an meinem Whiskeyglas fest. Die „Crown Bar“ auf dem Santa Monica Blvd bietet einen angenehmen Kontrast zu meinem Besuch auf dem „Hollywood Forever Cemetery“: kühle, stilvolle Einrichtung und alerte, lebendige Menschen, die nächste Hollywoodgeneration. Den halben Nachmittag hatte ich zwischen geschmacklosen rosafarbenen Mausoleen, kitschigen Statuen und pathetischen Sprüchen zu Ehren verstorbener Hollywoodgrössen verbracht. Peter Lorre, der falsche Faun, oder Kay Wray, die Frau die King Kong killte, trauern hier um sich selbst. Hinter dem „Hollywood Cemetery“ liegen interessanterweise gleich die „Paramount Studios“. Ob man die ausgelutschten Stars am Ende einfach über die Mauer kippt?

Eine brünette Schönheit sucht meine Nähe und ich lade sie natürlich auf einen Drink ein. Wer verschmäht schon die nächste Julia Roberts? Ihr Interesse erlahmt allerdings jählings als sie erkennt, dass ich dem Produzenten von „Universal“ bloss ähnlich sehe. Prostitution auf hohem Niveau. Hier startet die Evolution vom hässlichen Entlein, die im glücklichsten Fall auf dem „Hollywood Cemetery“ endet. Ich leere mein Glas und ziehe weiter in irdischere Gefilde. Meine Anweisung an den usbekischen Taxifahrer: „In eine Hafenkneipe.“

Das Etablissement mit dem sinnigen Namen „Maelström“ unweit den Docks am Hafen von L.A. ist eine dunkle Höhle mit langem Tresen, robusten Holztischen und ebensolchen Stühlen. Es ist laut und heiss und voll mit Seeleuten oder solchen die es sein könnten mitsamt Strandgut aus aller Welt. Die Mutter aller Absacker-Spelunken. Ich kämpfe mich zur Bar und verlange von einem vollständig tätowierten Liliputaner, der sich auf einer Art Sims zu bewegen scheint, eine Flasche Burbon. Nach kurzer Zeit verständige ich mich mit einem Griechen mit der Körperbehaarung eines Schafes in Englisch, Französisch und der Universalsprache burbonesisch. Er scheint mit einem Frachter von Argentinien gekommen zu sein und in drei Tagen geht sein Schiff weiter nach Shanghai. 5600 Seemeilen und für diese strecke scheint Apostolos auch zu tanken. Ich gehe mit. Irgendwann landen wir beim blamablen Abschneiden der Griechen an der Euro 08, die er offenbar verfolgt hat. Er lacht wie ein besoffener griechischer Seemann. Jetzt bin ich sein Freund. Nach der zweiten Pulle Burbon, die Apostolos unter Androhung des Freundschaftsentzugs spendiert, driften wir auf See. Geschichten von Piraten vor Malakka und einer Hure mit drei Titten in Sansibar. Ich bin jetzt sein Bruder. Irgendwann während der dritten Flasche (inzwischen dröhnt Metallica aus den Lautsprechern, die Meute tanzt in wilden Gruppen auf den Tischen, letzte Reste menschlicher Zurückhaltung  sind abgelegt, die Bar ist ein Tollhaus) lädt mich mein Bruder, das Schaf, auf die Reise nach Schanghai ein.

Ich komme zu mir in einem Hotelzimmer, in meinen Kleidern finde ich einen Zettel mit der Nummer von Apostolos. Er scheint meine sterblichen Überreste von letzter Nacht gnädigerweise hier abgeladen zu haben. Ein kühles Bier klärt meine Sinne.
Werde ich nach Schanghai mitfahren?

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4. Mulholland Drive

Hier stehe ich nun auf dem berühmten Mulholland Drive und blicke auf das moderne Babel: Pfuhl von 400 Banden, ebensovieler Morde, Venice und Watts Nogo Areas, weltgrösste Pornoindustrie, Erdbebenzone, hier starb die schwarze Dahlie ungesühnt. Doch in dieser milden Frühsommernacht schläft das Tier. Die Stadt der Engel unter mir strahlt im Neonlicht unendlich weit. Ich höre das Sirren von Starkstrom, Rauschen entfernter Autos. Alles beruhigend, friedlich. Die Traumfabrik hat gesiegt. Hollywood in meinem Kopf.

Eine Limousine verschwindet in der Dunkelheit. Die Mulholland Three treffen sich zu einer ihrer legendären Parties. Jack, mit dem schauerlich-schönen Grinsen, steht am Herd, der Pate schneidet mit seinen grossen Händen Zwiebeln. Warren Beatty füllt die Weingläser nach und erzählt einen schmutzigen Witz über Penelope Cruz. Die Herausforderung wie immer während des Kochens: wer erzählt den niveaulosesten Witz über einen Hollywoodstar. Ein Gebrüll übertönt das Zischen der Kochtöpfe, dabei schneidet sich Brando vor Lachen in den Finger. Beatty hat eben die Führung übernommen. Ermelina, seit 14 Jahren Putzfrau bei Jack Nicholson, fällt am anderen Tag fast in Ohnmacht, als sie den Kühlschrank öffnet: Marlon Brandos Unterhose in Resten der Mousse au Chocolat.
Das Aufheulen einer Polizeisirene ruft mich in die Gegenwart zurück. Californication der Chili Peppers im Autoradio, der Soundtrack zu Los Angeles.

„Destruction leads to a very rough road, but it also breeds creation”. Es ist möglich, dass das moderne Leben auf der Erde hier begonnen hat. In einem Hollywood-Skript.

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3. Per Anhalter

“Hitchhike the way across the USA.” Naja, immerhin von San Antonio nach L.A. Ich sass schon eine Weile auf einer roten Leitplanke am W Durango Blvd. Der rechte Daumen stand formschön im Wind, der andere in meiner Nase, als plötzlich dieses Ungetüm vor meinen Füssen hielt. Ein schneeweisser Truck war bereit einen Anhalter mitzunehmen. Ich riss die Tür auf und fragte, ob er in Richtung Los Angeles fahre. Ein bulliges schwarzes Gesicht erschien über der Sitzkante und kaute etwas, das ich hier mit: “Ja, einsteigen bitte,” übersetzte.

Francisco der Truckerfahrer hatte Pranken wie Baseball-Handschuhe, eine Kaugummi-Sprache, und er liebte Berlioz. Schön, nicht meine erste Wahl, aber ich war Gast in Franciscos Reich und zudem kochte er während der Stops exzellenten Tee, mit eigentlich nichts als einem blanken Stromkabel! Francisco war freundlich, aber verschlossen. So konnte ich ihn erst am Abend im Trucker-Restaurant eines Motels fragen was es mit dem Aufkleber „Free Tibet“ an der Windschutscheibe seines Trucks auf sich hatte.

„Schau“, sagte er, „diese Menschen kämpfen für ihre Heimat gegen einen übermächtigen Gegner, die chinesische Regierung, die in Tibet bloss die Bodenschätze will. Es geht bloss ums Geld. Und Geld hat keine Skrupel.“ Nach einer langen Pause in der wir ein halbes Rind verputzten sagte er: „Ich habe meinen Sohn wegen Geld verloren.“ Ich dachte, tja Trucker-Daddy, wenn Söhnchen halt als hedonistischer Investmentbanker die angenehmen Seiten des Lebens geniesen will, ist das doch nicht soo schlecht. „Josh wurde am 1. November letztes Jahr im Irak von einer Bombe zerfetzt.“ Ich bekam einen trockenen Hals, schluckte Bier, musste husten. Ich schaute ihm in die Augen. Sie waren feucht, ich starrte auf meinen Teller. „Seine Einheit kontrollierte Fahrzeuge an einer Strasse in einem Aussenquartier von Basra. Das Auto hielt an Josh ging hin und wollte seine Papiere überprüfen, da zündete der Typ eine Bombe. Josh war auf der Stelle tot, ein weiterer Posten wurde leicht verletzt. Sie gehen ja nur einzeln zu den Fahrzeugen deswegen. Ich sass Zuhause als der Anruf kam. Schaute Football. Ich blieb einfach sitzen, konnte nicht aufstehen bis am andern Morgen mein Nachbar klingelte. Der Fernseher lief  noch immer. Ich wusste nicht ob ich geschlafen hatte oder nicht. Josh war 21 Jahre alt als er für anderer Leute Profit starb. Und ich fahre weiter Truck.“

Danach sagte er nichts mehr. Und ich hütete mich etwas zu fragen. Ich bestellte Whisky und wir soffen uns unter den Tisch.
„Take a walk on the wild side“, danke Lou Reed.

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2. Meet Obi

Gestern Morgen fuhr ich standesgemäss in einem Lincoln Continental auf der Elm Street über das weisse Kreuz am Boden an der Dealey Plaza in Dallas. Ich sass vorne, JFK hinten, also keine Gefahr.

Am Nachmittag mit diesem anachronistischen Strassenkreuzer fünf Stunden von Dallas nach San Antonio gebrettert.

Es ist soweit, vor dem Municipal Auditorium wird ER erscheinen. Dank einem gefälschten Presseausweis (Hallo Secret Service…!?) stehe ich plötzlich neben meinem Lieblingsamerikanisten in der Presse-Zone. Der bemerkt mich allerdings gar nicht, da aus seinen Ohrstöpseln übelster Deathmetal kracht. Dann tritt Barak Obama ans Rednerpult, dieser Schlaks. Jubel, Euphorie, yes we can. Man glaubt es ihnen. Reden kann er, präsidiale Ausstrahlung, man traut sie ihm zu.

Sind die Parteioberen mutig genug, schicken sie den frischen schwarzen Senator ins Endgame. Hillary wirkt bei aller Kompetenz doch etwas ausgelutscht, pardon, Washington-Filz eben.

Was aber geschieht mit dem properen Jüngelchen im Fleischwolf der Präsidentenwahl? Wenn republikanische Haudegen loslegen, die Rassisten (oh ja, die werden kommen!), all jene Lobbys, von der Hochfinanz über Rüstungsfirmen bis zu Big-Oil, die die letzten acht Jahre wie im Paradies verbrachten? Die wird “yes, we can” nicht beeindrucken.

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1. Ich fliege!

Endlich sitze ich im Flieger. Zürich – New York, die Stadt die niemals schläft. Neben mir, das heisst etwa 1 m entfernt, Pospischil: 20 Generationen tschechische Tundra und Hektotonnen Budweiser haben diese wunderbare Kreatur geschaffen. Pospischil zertrümmert eben die zweite Büchse Bier. Vor dem Start. Er ist Professor für Nanotechnologie an der Uni in Albany.

Meine erfolgreichen Börsenspekulationen erlauben mir jetzt Schampus im Flieger. Vor dem Start. Na schön, und meine Grosstante Gott-hab-sie-selig, die ich kaum kannte, und die mich sechsstellig beglückt hat.

“Sehr gerne.” Das First-class-Mäuschen der Swiss hat eben mein Glas ein weiteres Mal erfrischt.

Eigentlich gehe ich nach Amerika um mir die grosse schwarze Hoffnung anzusehen: Barak Obama. Ich versuche ihn in Texas vor den Wahlen am 4. März zu sehen. Im Homestate meines Lieblingspräsidenten.

“Fasten your seatbelt, and keep your Schampusglas.”

Wir starten.

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